Sonntag, 23. August 2009

22. August



Unser letzter Tag in Island. Wir haben Glück: Ausgerechnet heute ist in Reykjavik einiges los - nicht nur Marathon, sondern auch die Kulturnacht, eines der wichtigsten Events in der Stadt (zumindest im August). So viele Leute wie heute haben wir auf unserer ganzen Reise nicht gesehen.
Für jeden ist etwas dabei: Es gibt Jazzkonzerte, einen Punk-Treff, in der Hallgrimskirche kann man sich Orgelkonzerte anhören oder gemeinsam Kirchenlieder singen, die Landsbanki läd zu Kaffee und Gebäck ein, auf mehreren Plätzen spielen diverse Bands. Künstler haben ihre Ateliers geöffnet und die isländischen Motorradfreaks düsen durch die Stadt. Auf seiner Harley wird mancher Isländer wieder zum Wikinger - sogar eine Maschine mit Pferdeschädel und -schweif haben wir gesichtet. (Das Foto kommt allerdings auf keinen Fall in den Blog!). Höhepunkt ist das Feuerwerk um 11 Uhr und viele gehen danach nicht nach Hause, sondern fangen erst richtig an zu feiern. Aber wir nicht, denn wir müssen um 4.45 Uhr aufstehen.

Freitag, 21. August 2009

21. August



Nachts wütet ein schwerer Orkan und auch am Morgen ist es noch so stürmisch, dass es uns auf dem Weg zum Auto fast umweht. Der Wind gestern war ein harmloses Lüftchen dagegen.
Unsere Rundreise ist jetzt fast beendet. Auf dem Rückweg nach Reykjavik besichtigen wir noch einen Krater namens Kerid, um den man herum- und hineinspazieren kann.
Im Fischerstädtchen Eyrarbakki fotografieren wir die bunten Häuschen. Sowohl Wände als auch Dächer sind mit Wellblech verkleidet, das jeder nach seinem Geschmack anstreicht und daher gibt es oft ungewöhnliche Farbkombinationen, schwarz mit hellblauem Dach zum Beispiel.
In Hveragerdi machen wir eine ganz tolle Wanderung (Das Wetter hat sich deutlich gebessert). Es ist alles dabei, was zu einer Wanderung in Island gehört: eine Brücke ohne Geländer, mehrere Bäche zum Darüberspringen, kräftige Schwefelwasserstoff-Wolken, die aus Erdspalten dringen, Löcher im Boden, in denen kochendes Wasser brodelt, blau-grau und orange-rot gefärbte Berge, ein Fluss, den man durchwaten muss und am Ende erwartet uns kein Hot Pot, sondern ... ein Bach, in dem das Wasser so heiß ist, dass man sich zunächst überwinden muss, hineinzusteigen, aber nach kurzer Zeit findet man es wunderbar, im Thermalwasser zu liegen mit Blick auf die Berge, die Schafe und das Gras, das so unglaublich grün ist wie nur in Island ...

Donnerstag, 20. August 2009

20. August



Wir wohnen heute in Laugarvatn, das heißt auf Deutsch "See der warmen Quellen". Der Ort hat nur ca. 200 Einwohner, aber eine gruselige Vergangenheit: Hier wurden (vor einigen 100 Jahren) die Leichen des letzten katholischen Bischofs und seiner beiden Söhne gewaschen, bevor sie zum Begräbnis nach Holar transportiert wurden. Die Männer waren vorher geköpft worden.
Hier verzichten wir lieber auf den Hot Pot, aber der wird auch gerade umgebaut.
Am Vormittag waren wir da, wo sich die meisten Touristen aufhalten: im Geysir-Gebiet. Leider mussten wir erfahren, dass sich der echte "Geysir" seit dem Jahr 2000 im Stand-by-Modus befindet. Daneben ist noch ein kleinerer, der regelmäßig spuckt. Wir mussten feststellen, dass es fast ebenso schwierig ist, einen Geysir in Aktion zu fotografieren wie einen Wal. Deshalb gibt es auch kein Foto von uns beiden mit dem "Strokkur" (so heißt diese Springquelle), dafür etliche, auf denen gerade Leute durchs Bild laufen und viele, auf denen die Wasserfontäne schon wieder weg ist.
Natürlich waren wir auch wieder bei einem Wasserfall, dem Gullfoss, sowie an dem Ort, wo die Isländer in alter Zeit zusammenkamen, um Gesetze zu verkünden und Recht zu sprechen. Der "Thingplatz" ist inzwischen Nationalpark und auch landschaftlich sehr schön gelegen.
Zu unserer Freude war es heute sonnig und warm (ca. 13 Grad), allerdings blies so ein starker, eisiger Wind, so dass sich Trong um ein Haar eine handgestrickte Wollmütze gekauft hätte.

Fotos: Strokkur mit Wasserfontäne + Nationalpark Thingvellir

Mittwoch, 19. August 2009

19. August



Isländer leben, wie wir feststellen mussten, immer am Rand der Katastrophe. Wo sie sich auch aufhalten, irgendwo in der Nähe gibt es entweder einen Vulkan, der ausbrechen, einen Berg, der rutschen oder einen Gletscher, der sich in einen reißenden Gletscherfluss verwandeln kann. Erdbeben, Lawinen, Treibsand, Quellen mit kochend heißem Wasser ... nichts ist den Isländern fremd.
In früheren Zeiten musste man außerdem damit rechnen, dass hinter dem nächsten Hügel ein bewaffneter Trupp auf einen wartete, um blutige Rache zu üben oder man in seiner Torfhütte bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Das haben wir heute im Saga-Zentrum erfahren, wo die Geschichte vom weisen Njál auf anschauliche Weise präsentiert wird. Tatsächlich roch es bei dem Bild über den Hausbrand ziemlich angekokelt.
Eigentlich war heute unser "Tag der Wasserfälle". Wir haben vier große und einige kleinere besichtigt, sogar einen, um den man herumgehen kann: den Seljalandsfoss. Dass wir auf dem Foto vor statt hinter dem Fall stehen, hat eher fototechnische Gründe. Auf dem anderen Bild sieht man den Skógarfoss.

Dienstag, 18. August 2009

18. August



Da unser kleines Auto nicht tauglich für Jeep-Pisten ist, fahren wir heute mit dem Bus ins Hochland. Landmannarlaugar soll ein richtiges Outdoor-Paradies sein - wunderbare Landschaft, dazu eine heiße Quelle mit Blick auf die Berge, die in allen Farben schimmern ...
Von unserem Fensterplatz im Bus können wir nicht wirklich profitieren, da uns der Schmutz die Aussicht verwehrt. Immer wenn der Bus durch einen Flusslauf fährt, spritzt das Dreckwasser bis zum Dach.
Bei unserem Zwischenstopp an der Feuerspalte Eldgja machen wir eine Wanderung zum Wasserfall. Es ist leicht regnerisch und etwas kühl.
Der Busfahrer erzählt noch, was wir alles bei unserem nächsten Stopp unternehmen können und wie schön es dort ist. Aber da die Straßenverhältnisse so schlecht sind, hat er schließlich 45 Minuten Verspätung. In Landmannarlaugar empfängt uns übelstes Novemberwetter: es ist eiskalt, stürmisch und schüttet in Strömen. Hunderte von Campern haben ihre Zelte dort aufgeschlagen - diese armen Kerle können uns nur leid tun.
Wir ziehen unsere Badesachen an und rennen mehrere hundert Meter bis zum Hot Pot. Im Wasser kann man es gut aushalten, nur der kalte Wind pfeift uns um die Ohren. Dafür ist der Rückweg umso fürchterlicher. In einer Besenkammer wechseln wir unsere Kleidung und schlendern zum Busstopp. Doch da sehen wir gerade noch unseren Bus um die Ecke verschwinden! Der Busfahrer hat uns vergessen und ist obendrein früher gefahren als ausgemacht! Trong stürmt in die Hütte des Campingaufsehers und wenige Minuten später nehmen wir in einem Jeep die Verfolgung des Busses auf (am Steuer die nette Frau von der Rezeption). Bald haben wir den Bus erreicht und der Busfahrer ist ganz zerknirscht. So kommt es, dass wir heute doch in unserer gebuchten Unterkunft übernachten und nicht in der Outdoor-Hölle.

Montag, 17. August 2009

17. August



Heute ist Gletscherstag. Es stehen im Programm Wanderung zu einem Wasserfall und anschließend eine weitere Wanderung auf dem Gletscher.
Der Wasserfall ist großartig. Durch die Basaltsteinsäule im Hintergrund sieht er wirklich gut aus. Die Sonne scheint direkt in den Wasserstrahlen und es entsteht den Regenbogen.
Wir sind zum ersten Mal auf dem Gletscher. Er wirkt durch Vulkanasche ziemlich dreckig. Wir wandern auf einem Ausläüfer in niedriger Höhe. Er sieht wie lauter Hügelchen aus. Als Ausrüstungen haben wir Steigeisen, Eispickel und Handschuhe bekommen. Wir können sehr sicher auf dem Eis laufen.

Sonntag, 16. August 2009

16. August



Unsere Unterkunft liegt ganz in der Nähe einer bekannten Gletscherlagune, die garantiert jeder Island-Tourist besucht. Beim Abendessen hatten wir Gletscherblick (jetzt immer noch, denn es wird erst sehr spät dunkel).
Am Nachmittag haben wir eine Bootstour auf der Lagune gemacht. Das Boot hatte Räder und fuhr direkt ins Wasser. Wir hatten alle orange Schwimmwesten an und ein Rettungsboot fuhr neben uns her. In dem kalten Wasser kann man nämlich maximal 5 Minuten überleben, sagte unser Guide. Die Lagune gibt es erst seit 1930 - damals begann der Gletscher zu schmelzen. Im Moment schrumpft er um 250 Meter im Jahr - man muss sich beeilen, wenn man ihn noch sehen will. Schön sind die weißen, blauen und schwarzen Eisbrocken, die im Wasser treiben - allerdings sind mehr als 90 Prozent der Teile unter der Wasseroberfläche.
Unter dem Gletscher liegen einige Vulkane, die alle paar Jahre mal ausbrechen. Dann verwandelt sich ein Teil des ewigen Eises in einen reißenden Strom, der alles zerstört, was in der Nähe liegt, Straßen, Häuser, Brücken ... Die letzte große Katastrophe war 1998. Zum Glück ist das Umland so dünn besiedelt. (Angeblich bricht der aktivste dieser Vulkane alle 5 bis 10 Jahre aus - hoffentlich sind wir dann schon weg!)